Havarie

Film-Info

Filmstart:
03.11.2016
Entstehungsjahr:
2015
Regie:
Philip Scheffner
Genre:
Dokumentarfilm
Land:
Deutschland
Schauspieler:
Keine Angabe
Andere Film-, Format- und Sprachvarianten Havarie (OmU) Havarie (OF)

Weitere Filme

von Philip Scheffner

Europe

Drama

Europe
Die Bushaltestelle "Europe" liegt an einer Ausfallstraße der französischen Stadt Chatellerault in einem kleinen Banlieue. Ein paar Blocks, eine Brasserie, ein Kebabladen und ein Bus, der zwischen Krankenhaus und Wald, einem Naherholungsgebiet vor der Stadt pendelt. Hier lebt Zohra Hamadi, 32, deren Sommer mit dem Ende einer langen Krankengeschichte beginnt. Zum ersten Mal in ihrem Leben kann Zohra aufrecht gehen, fast schmerzfrei - sie könne ab jetzt ein ganz normales Leben führen, sagt der Arzt, dem sie ihre körperliche Freiheit verdankt. Ein ganz normales Leben: Zohra hat ihre Wohnung in einem der Blocks, rundherum wohnen Familie und Freunde, Arbeit hat sie bei einer NGO gefunden, die mit Altkleidern handelt. Wäre da nur nicht ihr Ehemann Hocine, der in Algerien darauf wartet, endlich ein Visum im Rahmen der Familienzusammenführung zu bekommen und das nächste Flugzeug zu Zohra nach Frankreich zu besteigen. Es ist Sommer, Ende Juli, und ganz Frankreich bereitet sich auf die Ferien vor, diesseits und jenseits des Mittelmeers. Zohra braucht nur noch die Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung, dann wird auch sie aufbrechen, um wenigstens ein paar Wochen mit Hocine in den algerischen Bergen zu verbringen. Doch die Verlängerung bleibt aus: Mit dem Ende ihrer Behandlung verliert Zohra ihr Aufenthaltsrecht in Frankreich. Sie wird - für ihr Umfeld wie für das Kinopublikum - zu einer in die Unsichtbarkeit verbannten, zum Schweigen gebrachten Protagonistin. Nur durch die Augen und die Reaktionen der anderen wird spürbar, wie Zohra um die Rettung ihres Lebens in der ersehnten Normalität ringt: wie sie keine Schwäche zeigen will, sich in Lügen verstrickt, wie ihre Welt bröckelt. Zohra verliert ihre Arbeit und ihre Wohnung. Familie und Freunde brechen auf, sie bleibt allein zurück in einer entleerten Welt. Diese entleerte Welt wird für Zohra, ausgestattet mit einer Handvoll Schlüssel für die Wohnungen der anderen, zur Bühne. Sie wird sichtbar, indem sie ihre Zukunft erfindet, und nicht nur eine, sondern verschiedene, die sie in Varianten durchspielt. Ihre Fiktionen, mal subtil, mal anmaßend bürgerlich, surfen knapp über dem Boden der Tatsachen und ziehen uns in ein Verwirrspiel parallel sich entfaltender Realitäten. Sie lebt mit Hocine oder auch nicht, hat eine Familie, vielleicht, einen neuen Job, eine Aufenthaltsgenehmigung. Mit dem Wiedererlangen ihrer fiktionalen Sichtbarkeit beginnt für Zohra der Kampf um ihren Platz in Europa, auch wenn sie dafür immer häufiger das Szenario wechseln muss. Dadurch bekommt sie etwas Transparentes, Geisterhaftes - aus der Flüchtenden wird eine Flüchtige, die sich dem systematischen Griff der staatlichen Gewalten entzieht. (Quelle: Verleih)
Revision

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Es ist der 29. Juni 1992: Ein Bauer entdeckt auf einem Getreidefeld nahe der deutsch-polnischen Grenze die Leichen zweier Männer, die einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sind. Später stellt sich heraus, dass die Toten, die rumänische Staatsbürger waren und offenbar die EU-Außengrenze übertreten wollten, von zwei Jägern erschossen wurden, doch wer die verhängnisvollen Kugeln abfeuerte, bleibt bis heute ungeklärt. Offiziell gilt die Tat als Unfall, die Angeklagten wurden freigesprochen, doch der Film rollt die Zusammenhänge erneut auf. (j.b.)
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